Sportbuzzer berichtet über den JFV

Fusion zwischen Arminia Hannover und SC Langenhagen hängt in der Warteschleife

Christoph Hage berichtete am 11.04.2019 auf Sportbuzzer und im Sportteil der HAZ:

Zur kommenden Saison soll der SV Arminia Hannover Teil eines Jugendfördervereins werden – zusammen mit dem SC Langenhagen. Das Vorhaben könnte nun ausgebremst werden, da der SCL die Planungen erst noch mit der Stadt absprechen muss. Bis zum 15. Mai müssen die Anträge beim NFV eingereicht werden.

Ein winziges Sandkorn kann ausreichen, um eine Waage in die eine oder andere Richtung kippen zu lassen – und genau das wollen sie eigentlich nicht. Ausgewogen soll ihr Vorhaben sein. Der SV Arminia Hannover soll zur neuen Saison als erster Verein aus dem Stadtgebiet Teil eines Jugendfördervereins (JFV) werden. Nicht etwa mit einem Nachbarn, sondern mit dem SC Langenhagen. Luftlinie sind beide Klubs zehn Kilometer voneinander entfernt. Ein kleiner Teil ihres neuen Partners könnte das Vorhaben nun ausbremsen.

Pachtvertrag mit der Stadt macht SCL Probleme

Für Montag, 15. April, war ursprünglich die Gründungsversammlung des „JFV Arminia-SCL“ geplant. Dass dieser Termin gehalten werden kann, ist unwahrscheinlich. Ende März hatten sich die Arminen mit 29 Ja- und einer Gegenstimme das Okay von ihren Mitgliedern geholt – und genau das bekamen die Langenhagener vor zwei Tagen nicht. Zwei Mitglieder verwiesen auf den Pachtvertrag mit der Stadt. „Dieser soll die Nutzung eines fremden Vereins nicht zulassen“, sagt Dirk Böker, Abteilungsleiter in der Flughafenstadt. Die „gelegentliche Nutzung“ sei erlaubt – was das heißt, muss der SCL nun mit der Stadt und dem Sportring klären. Vorsitzender Helmut Czelustek hat bereits Kontakt aufgenommen. Eventuell könnte es ausreichen, dass der Sport-Club einer von zwei Stammvereinen des JFV ist.

Fakt ist: Der SCL muss seine Mitglieder mit zweiwöchiger Vorlaufsfrist erneut einladen, von seinem Vorhaben will sich der Klub in jedem Fall nicht abbringen lassen. „Meine erste Reaktion war, das war’s für mich, aber dann wäre all die Arbeit für die Katz gewesen“, sagt Böker. Bis zum 15. Mai müssen die Anträge für den JFV beim Niedersächsischen Fußball-Verband eingereicht worden sein – das ist die Deadline.

Für die Premierensaison ist alles angerichtet

Schon jetzt haben die beiden Partner ganze Arbeit geleistet. In ihrer Premierensaison sollen fünf JFV-Mannschaften von den A- bis zu den C-Junioren am Spielbetrieb teilnehmen. Die Gespräche mit dem zukünftigen Trainerteam laufen, der Trainings- und Punktspielbetrieb soll zu gleichen Teilen auf beide Anlagen verteilt werden. Und auch der Vorstand soll paritätisch besetzt werden, mit Sven Rode (Jugendleiter SCL) als 1. Vorsitzendem, Sven Koch (Jugendleiter Arminia) als 1. stellvertretenden Vorsitzendem, Böker als 2. stellvertretenden Vorsitzendem und Ruth Kintrup (Jugendleiterin Arminia) als Schriftführerin.

2009 hatten beide Vereine erstmals die Köpfe zusammengesteckt, im vergangenen Jahr führten sie Probleme mit ihren C-Junioren wieder an einen Tisch. Das SCL-Team drohte, auseinander zu brechen, die Arminen standen im Mai plötzlich ohne Trainer da. Alltägliche Probleme in heutigen Fußballzeiten, der Beginn einer einmaligen Verbindung. Der Versuchsballon, die JSG Arminia/Langenhagen, zeigte, dass beide Seite miteinander können. „Zwei Vereine mit langjähriger Tradition sollen am Leben erhalten werden“, unterstreicht Kintrup.

“Wir haben uns gesucht und gefunden”

Der SCL hatte 2015 mit dem TSV Krähenwinkel/Kaltenweide und TSV Godshorn schon einmal den Versuch gestartet, eine JSG aus der Taufe zu heben. Seinerzeit waren die Krähen besagtes Sandkorn, das die JSG zum Scheitern verurteilte. „Wir haben uns gesucht und gefunden“, sagt Kintrup nun. „Die handelnden Personen konnten sich vom ersten Tag an riechen“, fügt Koch hinzu. Allein die Jugendabteilung der Blauen umfasst 180 Mitglieder, die gesamte Fußballsparte des SCL mehr als 300.

Ihre Probleme unterscheiden sich nicht von denen des gesamten Amateursports. Die entscheidende Frage: Haben wir alleine eine Zukunft, können wir leistungsorientierten Fußball mit dem Status quo auch in zehn Jahren noch anbieten. Der SV Arminia und der SCL haben diese Frage mit „Nein“ beantwortet.

Es gibt noch unzählige Probleme

Die schwierige Suche nach Sponsoren, die Generation Playstation, eine sich verändernde Gesellschaft, ambitionierte Eltern, der stetig wachsende Leistungsdruck und vor allem fehlende Ehrenamtliche sind nur sechs von unzähligen Problemen. „Wir wollen die wenigen Kräfte, die noch bereit sind, mit anzupacken, bündeln“, sagt Kintrup. Für eine Perspektive, eine Zukunft – gemeinsam, aber auch für die Stammvereine. „Wir vergrößern mit diesem Schritt unser Einzugsgebiet“, sagt Rode. Bleibt natürlich die Frage, ob auch der Nachwuchs diese Perspektive sieht. Die Heranwachsenden sollen später selbst entscheiden können, für welchen Stammverein sie im Herrenbereich spielen wollen.

Im Stadtgebiet ist diese Verbindung die erste ihrer Art. In ganz Niedersachsen gibt es davon nur 38, bald also 39. „Jugendspielgemeinschaften gibt es deutlich mehr“, sagt Walter Fricke, Vorsitzender des Jugendausschusses beim NFV, wo sie solche Verbindungen eher kritisch sehen. „Wir befürchten, dass wir dadurch noch mehr Mannschaften verlieren“, sagt Fricke. Mit Gegenwind hat das Duo trotzdem nicht zu rechnen. Zumal neben dem leistungsorientierten Fußball in den Stammvereinen auch noch Breitensport auf Kreisebene angeboten werden soll, wie etwa bei der dritten C-Jugend in Langenhagen.

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